InterviewNewsAndersGründer-Stipendiaten: soziale Start-ups in NRW

8. April 2016Arlette0
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Kannst Du Dir vorstellen, Bio-Gemüse einzukaufen und damit soziale Projekte ohne Mehrkosten zu fördern? Oder dass Jugendliche ohne Schulabschluss durch Musik neu motiviert werden können? Sich mit seinen Freunden zu engagieren, war noch nie so einfach. Das sind nur 3 Beispiele der Lösungen der AndersGründer-Stipendiaten. StartupDorf war bei der Pitchrunde dabei.

Was unterscheidet einen Unternehmer von einem Sozialunternehmer? Ist ein Sozialunternehmen genauso wie eine gemeinnützige Organisation? Ist am Ende des Tages die Wirkung eines sozialen Start-ups wichtiger als sein Profit? Diese Fragen hört man häufig in der Sozialunternehmer-Szene.

Hast Du überhaupt schon mal von Sozialunternehmen in Düsseldorf oder in NRW gehört? Ein schönes Beispiel ist discovering hands. Gegründet im Jahr 2011 bietet dieses Unternehmen eine Lösung für die Brustkrebsfrüherkennung und engagiert dabei Frauen, deren Tastsinne besonders entwickelt sind, nämlich Blinde und Sehbehinderte.

Der Inkubator für soziale Ideen, Social Impact Lab Duisburg, will SozialunternehmerInnen in der Region weiterentwickeln. Ein Beispiel für das Angebot des Labs ist das AndersGründer Programm. Am 14. März 2016 hat die Pitchrunde im Rahmen dieses Programmes stattgefunden. Das Social Impact Lab in Duisburg hat 10 Bewerber für die letzte Runde ausgewählt. Eine Jury von Experten aus der Wirtschaft und dem sozialen Sektor hat 6 Stipendiaten angenommen. In einem 8-monatigen Programm werden ihre Ideen gefördert.

Unbuntu; Alle siegen gemeinsam!

Leidenschaft, Zusammenarbeit und Kampfgeist sind drei Aspekte, die laut Dirk Sander, Leiter des SocialImpact Labs Duisburg, das Sozialunternehmertum ausmachen. Sozialunternehmen sollen nicht nur Lösungen für gesellschaftliche Probleme ermöglichen, sondern auch marktbereit sein. Kollaboration und das Netzwerk sind sehr wichtig für diese Unternehmen.

Bei seiner Eröffnungsrede hat er über die afrikanische Ubuntu-Philosophie [1] gesprochen, bei der man selbst ein Teil des Ganzen ist. Aus diesem Grund ging es bei der Pitchrunde nicht um einen Wettbewerb, sondern um einen Weg, um das Sozialunternehmertum-Ökosystem zu verstärken.

AndersGründer-Stipendiaten im Fokus

Wer wird von diesen Stipendiaten die nächste gesellschaftliche Innovation entwickeln?

Wir haben uns die 6 AndersGründer-Stipendiaten für Dich näher angeschaut.

1. Daheim, Dahoam, zu Hause

Möchtest Du Deine Zeit damit verbringen, geflüchteten Menschen Deutsch beizubringen? Zu kompliziert? Von wegen. Daheim ist eine Plattform für mobiles Lernen, wo geflüchtete Menschen Deutsch mithilfe engagierter Muttersprachler lernen können. Was differenziert diese Plattform von den bereits bestehenden Angeboten? Basierend auf ihren Interessen und dem Sprachniveau werden Geflüchtete mit Muttersprachlern verbunden. Alles ist kostenlos, Zeit und Ort unabhängig. Daheim hat in der Kategorie „Publikumssieger“ gewonnen.

2. Helpu, helfen kann Spaß machen

Bist Du auch ein bisschen enttäuscht davon, dass Du Dich für geflüchtete Menschen engagieren wolltest, aber dies zu kompliziert war? Helpu ist vielleicht etwas für Dich! Deutschlandweit müssen Helfer und Hilfesuchende viele bürokratische oder logistische Hürden überwinden. Mit Hilfe einer App und einem standortbasierten Matching-Sytem werden Aufgaben gelistet; wie zum Beispiel: Übersetzungen oder Besuche beim Arzt. Damit kann jeder auf eine einfache Art ganz flexibel helfen. Für nähere Informationen besuche einfach: helpu.solutions.

3. REC-mobil

Wusstest Du, dass ca. 10% aller Jugendlichen in NRW die Schule vorzeitig abbrechen oder verlassen?[2]

Jugendliche, die die Schule abgebrochen haben, haben es deutlich schwerer bei der Arbeits- oder Ausbildungsplatzsuche. Durch intensive Workshops, in denen Jugendliche eigene Songs konzipieren und dazu eigene Texte u.a. in deutscher Sprache verfassen, werden Sprache, Sozialkompetenzen und Kreativität gefördert.

Fabian Beeren, Gründer und Geschäftsführer, hat seinen Magister in Sozialwissenschaft abgeschlossen. Er erkannte in seinem Werdegang zwei Pfade: das Interesse an sozialen Themen und die Leidenschaft für Musik.

Er berichtet, dass er aus einer Erfahrung bei REC-Mobil viel Motivation geschöpft hat. Er erinnert sich an “Mehdi” (Name geändert), einen Teilnehmer in einem seiner ersten Workshops. Mehdi hatte selbstständig einen Raptext verfasst und war vor dem Mikrofon unsicher. Nachdem er die Unsicherheit verloren hatte, wuchs er über sich hinaus und rappte seinen Text perfekt ein. Kurz nach der Aufnahme erzählte er, dass er erst seit anderthalb Jahren in Deutschland sei.

Wenn ich nach anderthalb Jahren auf Persisch rappen könnte, wäre ich sehr stolz auf mich. Es sind solche Momente, die mich daran erinnern, warum ich es mache.

Erfahre mehr über REC-mobil auf ihrer Webseite: rec-mobil.de.

4.  BEEMING BOX – Real social food

Bio Lebensmittel zu marktüblichen Preisen online kaufen und ohne Mehrkosten ein regionales Hilfsprojekt unterstützen. Du suchst Dir Deine BEEMING BOX aus und mindestens 10% deines Einkaufswertes werden an ein von Dir bevorzugtes regionales Hilfsprojekt überwiesen.

Auf der Suche nach einem eigenen Engagement bei Kinderhilfsprojekten in Köln, wo Jens Schneiders, Unternehmer und Geschäftsführer der BEEMING BOX, sich engagieren wollte, hat er festgestellt, dass viele dieser Projekte – trotz der tollen Spendenkultur in Deutschland – dennoch stets unterfinanziert sind. Regelmäßige Spenden für solche Projekte fehlen, sind aber äußerst wichtig. Er hat darüber nachgedacht, wie er mit seinem Know-How und seinen Kontakten dazu beitragen kann, dieses Problem zu lösen.

An einem Morgen bin ich aufgewacht und die Lösung hatte ich klar vor meinen Augen und das richtige Team dafür auch!

Du findest mehr über BEEMING BOX hier: beemingbox.com.

5. Helpteers.net

Helfen war noch nie so einfach planbar wie jetzt. Du möchtest Dich engagieren, aber hast keine Zeit für ein regelmäßiges Engagement? Kein Problem! Bei Helpteers kannst Du konkrete Aufgaben von Organisationen, die eine extra Hand benötigen, übernehmen.

Georg Staebner, Gründer, hat uns verraten, was sein Projekt von anderen Plattformen differenziert: „Der Vorteil ist, dass du besser planen kannst, dich mit einem Freund zusammen zu engagieren. Zum Beispiel: Wenn wir uns beide zusammen irgendwo engagiert haben und du bei einem anderen Projekt eine Aufgabe übernimmst, kann ich mich darüber informieren lassen. Somit können wir beide wieder zusammen das Projekt unterstützen.“

Um diese Plattform voranzubringen, werden weitere Projekte benötigt. Jeder kann auf helpteers.net ein Projekt erstellen. Größere Organisationen und Firmen können Helpteers auch als eigene Instanz für ihre interne oder öffentliche Internetseite erwerben.

Heute vor den Leuten zu stehen und von der Jury gesagt zu bekommen, uns hat dein Projekt gefallen, wir möchten dieses Projekt fördern und dieses Projekt wird groß werden. Das hat mir unheimlich viel gegeben und deswegen mache ich diese Arbeit. Das Ziel von helpteers.net ist, mehr Menschen ein Engagement zu ermöglichen, damit sie etwas bewegen. Durch das Social Impact Lab wird dies möglich.

Um mehr Information von  helpteers.net zu bekommen,  besuche einfach die Webseite.

6. Encourageman

Der Ausstauch in sozialen Netzwerken ist für Jugendliche und Jungerwachsene normal. Wie kann man die Technologie benutzen, um menschliche Probleme bzw. Krisen zu adressieren? Encourageman hat eine Lösung dafür. In schwierigen Situationen, wie z.B. emotionalen Krisen, brauchen Menschen Unterstützung oder sofortige Hilfe. Durch eine Push-to-help-App können sie ihren Freunden mitteilen, dass sie Ermutigung brauchen. Sie werden dann über einen Chat mit ihren Freunden verbunden. In Notfällen kann man sich auch direkt mit der Telefonseelsorge verbinden lassen.

Gut gemeint, gut gemacht und profitabel

Ein Sozialunternehmen sollte ein gesellschaftliches oder ökologisches Problem adressieren. Eine Herausforderung, mit der viele Sozialunternehmer konfrontiert sind, ist sich selber langfristig zu tragen.

Ist ein Sozialunternehmen gleich einer gemeinnützigen Organisation? Es gibt verschiedene Rechtsformen wie zum Beispiel gemeinnützige UG wie discovering hands oder eine gemeinnützige GmbH wie Ashoka. Sie können aber eine UG oder GmbH sein und parallel dazu einen Verein gründen: ein Beispiel hierfür ist Coffee Circle. Wie alle Firmen müssen auch soziale Unternehmen Themen wie Finanzierung und Monetarisierung genau durchdenken, dies heißt auch Profite erzielen.

Wer noch nicht sicher über die Wirkung von sozialen Start-ups ist, kann einen Blick auf Kiron Open Higher Education werfen. Kiron bietet akkreditierte Abschlüsse für Geflüchtete an. Sie können ohne bürokratischen Hürden einfach studieren. Dabei haben sie bis zu 2 Jahre Zeit, um ihre Unterlagen nachzuweisen. Bis dato hat dieses Konzept 1,000 Studierende, 23 Partner-Universitäten und 4 Studiengänge.[3] Der renommierte Alumnus des Social Impact Labs hat allein dieses Jahr 1,5 Mio. € von der Schöpflin Stiftung bekommen. Dadurch werden 5.000 neue Studienplätze für Geflüchtete geschaffen.[4]

Das Ökosystem in NRW hat neue Gesichter im Sozialunternehmertum-Umfeld gewonnen. Wir sind neugierig auf die nächsten Schritte dieser AndersGründer-Stipendiaten und wir wünschen ihnen viel Erfolg!

Welcher von den 6 AndersGründer-Stipendiaten hat Dich am meisten beeindruckt? Was ist für Dich wichtiger: Profit oder Wirkung? Was bewegt Dich, etwas zu gründen? Willst Du vielleicht auch Social-Entrepreneur werden? Teile Deine Gedanken im Kommentarfeld.

Arlette Hernández


Fußnoten & Quellen

[2] Programm Pitch – Social Impact Lab Duisburg
  • Interview mit Jens S., Gründer und Geschäftsführer von BEEMING BOX
  • Interview mit Fabian B., Gründer und Geschäftsführer von REC-Mobil
  • Interview mit Georg S., Gründer von Helpsteers.net
  • Programm Pitch – Social Impact Lab Duisburg

Arlette

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