Holding beim Startup: Clever für den Exit, aber nicht zwingend notwendig

28. March 2026René Schultze

Viele Gründer:innen hören früh den Rat: „Pack das doch direkt in eine Holding.“ Das klingt smart, strategisch und steuerlich attraktiv. Ganz falsch ist das nicht. Aber ganz richtig eben auch nicht. Eine Holding kann sinnvoll sein vor allem, wenn später ein Exit geplant ist und Erlöse nicht sofort privat verbraucht, sondern weiter investiert werden sollen. Wer am Ende aber doch privat ausschüttet, steht häufig nicht so viel besser da, wie es anfangs klingt.

Um was geht es?

In der Startup-Welt taucht das Thema Holding oft erstaunlich früh auf. Noch bevor Product-Market-Fit, Vertrieb oder Finanzierung wirklich sauber stehen, wird schon über Strukturen gesprochen. Das ist verständlich: Wer gründet, denkt unternehmerisch. Und wer unternehmerisch denkt, will Optionen schaffen.

Genau dafür kann eine Holding interessant sein.

Vereinfacht gesagt hält die Holding die Anteile an der operativen Gesellschaft. Wenn später Gewinne ausgeschüttet oder Anteile verkauft werden, kann das auf Ebene der Holding steuerlich deutlich günstiger sein als bei einer unmittelbaren Beteiligung im Privatvermögen. Gerade im Exit-Fall ist das einer der Hauptgründe, warum sich viele Gründer:innen überhaupt mit dem Thema beschäftigen. Denn dann kann ein größerer Teil des Erlöses zunächst in der Struktur verbleiben und für neue Beteiligungen, Reinvestitionen oder Vermögensaufbau genutzt werden. Nach § 8b KStG bleiben Beteiligungserträge und Veräußerungsgewinne bei Körperschaften grundsätzlich weitgehend außer Ansatz; 5 Prozent gelten typisierend als nicht abziehbare Betriebsausgaben und werden somit versteuert.

Das ist der entscheidende Punkt:

Die Holding spielt ihre Stärke vor allem dann aus, wenn das Geld im System bleibt.

Wer nach einem Exit nicht sofort alles privat entnehmen muss, sondern mit dem Kapital weiterarbeiten will, kann über eine Holding flexibel bleiben. Das kann spannend sein für Serial Founders, für Angel Investments, für den Aufbau weiterer Ventures oder schlicht für eine langfristigere Vermögensstrategie.

Aber genau hier beginnt auch die Einordnung, die im Gründungskontext oft zu kurz kommt.

Denn die Holding ist nicht automatisch die beste Lösung für jede Gründerin und jeden Gründer. Sie bringt zusätzlichen Aufwand mit: zweite Gesellschaft, laufende Verwaltung, zusätzliche Abschlüsse, steuerliche und rechtliche Abstimmung, Bankkonten, saubere Verträge und eine Struktur, die man auch tatsächlich leben muss. Dieser Verwaltungs- und Strukturaufwand ergibt sich schon daraus, dass eine Holding typischerweise eine zusätzliche Kapitalgesellschaft über der operativen Gesellschaft ist.

Und noch wichtiger:

Wenn das Geld am Ende doch privat landen soll, relativiert sich der steuerliche Vorteil oft deutlich.

Denn was auf Ebene der Holding zunächst begünstigt ist, wird bei der späteren Ausschüttung an die Privatperson regelmäßig erneut steuerlich relevant. Anders gesagt: Die Holding verschiebt und strukturiert Vorteile vor allem dann gut, wenn Vermögen im Unternehmensbereich bleiben soll. Sie ist aber kein Zaubertrick, mit dem private Entnahmen plötzlich „billig“ werden. Der große Vorteil entsteht vor allem bei der Reinvestition in der Holding, nicht bei der finalen Ausschüttung ins Privatvermögen.

Fazit:

Für Startups heißt das in der Praxis:

Eine Holding kann besonders dann sinnvoll sein, wenn

  • ein Exit realistisch mitgedacht wird,
  • Erlöse später nicht vollständig privat verbraucht werden sollen,
  • Reinvestitionen, Beteiligungen oder neue Gründungen geplant sind,
  • Vermögens- und Risikostruktur sauber getrennt werden sollen.

Sie ist oft weniger sinnvoll, wenn

  • die Struktur nur „weil man das halt so macht“ aufgebaut wird,
  • kurzfristig eher Liquidität im privaten Bereich gebraucht wird,
  • kaum Reinvestitionspläne bestehen,
  • der zusätzliche Verwaltungsaufwand mehr belastet als die Struktur tatsächlich bringt.

Mein Eindruck aus der Beratung: Die Frage sollte nicht lauten, ob eine Holding „gut“ oder „schlecht“ ist. Die bessere Frage ist: Was soll mit dem Geld später passieren?

Wer Kapital nach einem Exit wieder unternehmerisch einsetzen will, für den kann die Holding ein sehr gutes Werkzeug sein. Wer dagegen primär darauf abzielt, sich den Verkaufserlös irgendwann privat auszahlen zu lassen, sollte die Struktur nüchtern bewerten. Dann ist die Holding oft nicht das Maß aller Dinge, sondern einfach nur eine Option unter mehreren.

Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine rechtliche oder steuerliche Beratung. Die dargestellten Inhalte können eine individuelle Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen. Ob eine Holdingstruktur sinnvoll ist, hängt stets von den konkreten rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Umständen ab

René Schultze

Steuerberater / Fachberater Rating DStV e.V. / Fördermitglied StartupDorf e.V.

Since 2013

Address

StartupDorf e.V.
Speditionstraße 15a
40221 Düsseldorf

contact@startupdorf.de
+49 (211) 176 072 93
(answering machine)

Back to Bello home

Copyright StartupDorf. All rights reserved.
Made with love in Düsseldorf.

Back to Bello home

Copyright StartupDorf. All rights reserved. Made with love in Düsseldorf.

en_USEnglish